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Netzwerk-Studie „Ersatzteillager“ - Covid/Crisis-Challenges Pt. I
Wie ein Landmaschinenhersteller die Ersatzteilversorgung seiner Kunden in der Krise sicherstellt
Für Lieferfähigkeit gibt es keinen Ersatz
Wie ein Landmaschinenhersteller die Ersatzteilversorgung seiner Kunden in der Krise sicherstellt
 
Björn Baur, Head of Consulting, Siemens Digital Logistics
Isabella Urbanke, Senior Consultant, Siemens Digital Logistics
 

Ersatzteile können nicht warten. Sie werden eher heute als morgen benötigt, um die Geschäfte am Laufen zu halten. Bei Landwirten, die innerhalb weniger Tage ihre Ernte einfahren müssen, ist die schnelle und verlässliche Ersatzteilversorgung für Maschinen sogar existenziell. Doch was tun, wenn Krisen bestehende Versorgungsstrukturen außer Kraft setzen? Oder wenn das Zentrallager in einer von der Corona-Pandemie stark betroffenen Region liegt?

Andere Zeiten, neue Konzepte. Längst denken Wirtschaftsbetriebe darüber nach, ihre Lieferketten besser gegen unvorhersehbare Risiken abzusichern. Standen gestern noch Kosten im Fokus der unternehmerischen Entscheidung, ist es heute die Frage nach der Lieferfähigkeit und damit nach der Resilienz von Lieferketten.

Vom realen Szenario eiskalt erwischt

Bei unserem Kunden, einem großen Landmaschinenhersteller, geht es genau darum: Wie müssen Logistik- und Servicestrukturen angelegt sein, die unter allen Umständen die Versorgung von Landwirten mit in der Erntesaison dringend benötigen Ersatzteilen sicherstellen? Wie lässt sich das Netzwerk aus Standorten und Zulieferern krisensicher gestalten?

Auslöser der Fragestellung ist ein mit der Corona-Pandemie verknüpftes reales Szenario, das unseren Kunden eiskalt erwischt hat. Als die erste Welle und der damit verbundene Lockdown das Unternehmen Ende März erreichte, konnte der Output des Zentrallagers nur mit strikten Hygienemaßnahmen und der Streckung des Mitarbeiterteams auf mehrere Schichten gewährleistet werden. Was wäre wohl geschehen, hätte diese Situation den Landmaschinenhersteller in der Hochphase der Erntesaison überrascht? Noch heikler hätte sich die Lage für unseren Kunden entwickelt, wenn es am Standort selbst zu einem Covid-19-Ausbruch gekommen wäre. Eine Schließung des Zentrallagers wäre wohl unausweichlich gewesen.

Krisen heißen nicht immer Corona

Doch Krisen heißen nicht immer Corona. Sie können auch mit dem Ausfall der hoch automatisierten Lagertechnik zusammenhängen oder durch Feuer verursacht werden. Selbst ein Mitarbeiterstreik könnte weitreichende Folgen für den Lagerbetrieb haben. Das gilt sicher nicht nur für den Landmaschinenbereich, sondern für alle Industrien, die ihr Geld mit der Lieferung von Ersatzteilen verdienen oder bei denen die schnelle Ersatzteillieferung zentraler Bestandteil des Serviceversprechens ist.   

Da Siemens Digital Logistics mit dem Kunden bereits in der Vergangenheit mehrere Netzwerkstudien erfolgreich durchgeführt hat, wurden wir auch in diesem Fall zurate gezogen.

Wie sind wir an die Aufgabenstellung herangegangen? Der Blick auf die Ausgangssituation spiegelte mit einem großen Zentrallager, in dem das komplette Ersatzteilsortiment geführt wird, sowie mit mehreren Regionallagern, in denen während der Ernte häufig oder lokal benötigte Ersatzteile lagern, ein vielerorts anzutreffendes Bild. Doch ist diese Struktur tatsächlich flexibel und belastbar genug, um die Versorgung von Kunden in Krisensituationen sicherzustellen zu können, fragten wir uns?

Die Balance zwischen Kosten und Service Level finden

Unsere Zielvorstellung: Unseren Kunden eine Lösung zu liefern, mit der sich die perfekte Balance zwischen Kosten und einer sicheren Kundenversorgung auf bestem Service Level finden lässt. Zum Einsatz kommt bei dieser Aufgabe unter anderem der digitale Zwilling, ein IT-Beratungsinstrument, mit dem sich das Wechselspiel zwischen verschiedenen Netzwerkknoten in ihrer Abhängigkeit zueinander dynamisch – und vor allem unter realen Bedingungen – abbilden lässt.

So spielten wir mit unseren Kunden verschiedenen Szenarien durch: Wie wirken sich Anzahl und Lage der Standorte auf die Lieferfähigkeit aus? Was würde es bedeuten, das Produktsortiment in Breite oder Tiefe in den Regionallagern aufzustocken? Und wie sicher würde die Ersatzteilversorgung laufen, wenn der Endkunde als Fall Back-Lösung aus einem zweiten Lager versorgt würde?

Datenbasierte Planungsszenarien und moderne IT-Instrumente machen es möglich: Der Krise mit klugen Konzepten zu begegnen, bevor sie einen aus heiterem Himmel überfällt. Das ist uns in diesem Fall in enger Zusammenarbeit mit dem Kundenunternehmen einmal mehr gelungen.

 

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